Die Personen-Schlager der Woche

Debus, Würst, Griefahn, Baier, Wowereit, diese Woche gab es Ups and Downs bei Entscheidungsträgern. Die Personen der Woche – im musikalischen Kontext.

1. Junge, komm bald wieder: Christoph Debus geht als Airline-Chef zurück zu Thomas Cook. Der frühere Condor-Finanzchef und Air-Berlin-Vorstand war schon auf dem Sprung zu einem anderen Unternehmen aus der Reisebranche, hat sich nun aber doch für den Touristikkonzern entschieden. Das freut nicht nur viele Cookies. Denn Debus ist ein begnadeter Analytiker, der nun zusammen und auf Augenhöhe mit Condor-Chef Ralf Teckentrup vor allem die marode britsche Airline von Thomas Cook sanieren kann. Er ist aber auch ein angenehmer Gesprächspartner mit sozialer Kompetenz. Ein Punkt für seine neue Chefin Harriet Green, die ihn für die nicht leichte Aufgabe in London überzeugte.

2. Wähle drei, drei, drei auf dem Telefon: Thomas-Cook-Vertriebschef Christian Würst verlässt die Touristik und geht in die Telekommunikation. Es ist nicht sehr schmeichelhaft für ihn, dass schon zehn Lesern auf fvw.de diese Nachricht gefällt. Würst ist ein kluger Kopf, doch nicht bei allen Vertriebspartnern kam der hochgewachsene Ex-Berater gut an. Eine Nachfolge dürfte wohl intern gefunden werden – da gibt es ja noch ein paar Leute, die sich mit Vertrieb auskennen.

3. Es grünt so grün: Die Aida-Umweltbeauftrage Monika Griefahn hatte bei der Vorstellung der neuen Landstrom-Versorgung via Flüssiggas in Hamburg ihren ersten großen Auftritt – und den meisterte die SPD-Politikerin und Ex-Ministerin sehr souverän. Auch intern in Rostock hat sie schon klargestellt, dass sie keinesfalls als grünes Feigenblatt agieren, sondern einiges für die Umwelt bewegen will. Ihre Einstellung war ein kluger Schachzug der Reederei.

4. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten: Viele Fragen von Analysten musste diese Woche bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse TUI-Finanzvorstand Horst Baier über sich ergehen lassen. Doch, wohin die Holding steuert, ob und wie und wieviel sie von TUI Travel übernimmt und was der designierte Chef Fritz Joussen so plant, konnte er naturgemäß nicht beantworten. Das entscheiden nun mal andere, zuvorderst ein russischer Oligarch.

5. Wer soll das bezahlen? Der neue Hauptstadtflughafen kommt nicht nur später, er wird auch immer teurer. Eine ungemütliche Situation für den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit. Aber eins muss man dem Regierenden Bürgermeister trotz der einprasselnden Kritik lassen: Ohne sein starkes persönliches Engagement hätte es den neuen Flughafen vielleicht nie gegeben. Und wer wird sich denn in fünf Jahren noch über eine halbe Milliarde Mehrkosten aufregen? Wir Hamburger haben uns doch sogar schon an unsere Dauerbaustelle  Elbphilharmonie gewöhnt.

 

KOMMENTARE
Ein interessanter Unterschied zwischen "dem Chaosflughafen" und "dem kleinen Gebäude neben den hohen Kränen" (O-Ton aus Hamburg) ist aber, dass die öffentliche Meinung wie auch die Berliner selbst das Drama um den Flughafen auf irgendwelche Berliner Verhältnisse, die angebliche Berliner Mentalität usw. beziehen - das ist eben so, jedesmal dasselbe, nicht zu ändern.

Kein Hamburger käme auf je auf so eine absurde Idee. Da sind ein paar auswärtige Firmen und womöglich ein paar unfähige Politiker am Werk, na und? Was haben denn wir damit zu tun? Komm, lass uns auf einen Kaffee an die Binnenalster gehen....
von Skeptiker, 17.08.12, 12:56
Wow! Wie war das mit den Ratten und dem sinkenden Schiff "MS Thomas Cook" nochmal? Und ob sich nun ein Umzug aus der "Türkei" zurück nach Oberursel anbahnt?
von Peter P., 17.08.12, 15:53
Zu 5.
Was mich als Berliner ärgert ist, dass es anscheinend als "gottgegeben" gesehen wird, dass Großbaustellen immer teurer und teurer werden.
m.E. hat Gott damit aber wenig zu tun. Warum werden die Manager und Aufsichtsräte, die Sub-Sub-Subunternehmen und alle die es nicht schaffen orgendliche Arbeit zu leisten nicht zur Rechenschaft und Haftung gezogen?

Der Bürger soll "ne Millarde" mehr aufbringen, aber Wowi, Blacki & Co. dürfen weiter Millionen verdienen und müssen sich nur eine öffentliche Rüge gefallen lassen.... ne is klar!
von Bernd Hellmuth, 22.08.12, 10:23
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