Kandidat Joussen

Ist das nun gut oder schlecht, wenn der Manager einer Telefongesellschaft Chef der TUI wird?


Vor zwei Tagen sickerte durch, dass Großaktionär Alexej Mordaschow mehr Tempo beim Umbau des Konzerns und endlich wieder eine Dividende fordert. Gestern folgte die Meldung, dass Aufsichtsratschef Klaus Mangold in der Top-Personalie Vollzug melden kann. Nach 18 Jahren Michael Frenzel an der Spitze von Preussag/TUI wird es ernst mit dem Wechsel auf dem Chefsessel. Der Kandidat: Friedrich Joussen, zuvor Chef von Vodafone Deutschland. Er rückt im Oktober in den TUI-Vorstand und soll im Februar 2013 den Chefsessel übernehmen.
Joussen kommt wie Frenzel aus Duisburg. Damit hat sich es auch schon mit den Parallelen. Der Neue machte nach dem Elektrotechnik-Studium in Aachen eine steile Karriere bei der Mobilfunk-Sparte von Mannesmann, die später von Vodafone übernommen wurde. Der Werdegang war mit reichlich Auslandstätigkeit, operativ und in Vodafone-Gremien, verbunden. Er gilt als ausgewiesener IT-Experte, was heute einen Gutteil der Manager-Expertise in einem Reise-Unternehmen ausmacht. Unter seiner Führung genoss Vodafone als Marke einen guten Ruf und selbst bei einem leidigen Thema wie Hotlines und Support für die Kunden ist der Mobilfunk-Anbieter kaum unangenehm aufgefallen. Ob das ein Verdienst Joussens ist, sei dahingestellt. Zumindest stand er einem Unternehmen vor, das offensichtlich eine Kultur pflegt, die Kunden zu schätzen weiß.
Alles Pluspunkte. Aber: Mobilfunk ist noch immer ein Wachstumsfeld, dagegen zeigt die Veranstalterreise Sättigungstendenzen. Hat er das Gespür für die richtigen Rezepte in einem solchen Umfeld? Und kommt Joussen damit klar, dass er – gemessen am Telefongeschäft – in der Touristik mit kümmerlichen Umsatzrenditen zu kämpfen haben wird? Besitzt er genügend Expertise für den anstehenden Umbau der TUI? Wie schnell lernt er den Umgang mit einem Aufsichtsrat, der kaum unterschiedlicher zusammengesetzt sein könnte?
 

KOMMENTARE
Mobilfunk ein Wachstumsmarkt? Mobilfunk ist ein Verdrängungsmarkt, ähnlich der Touristik. Im Mobilfunk heißt es alle 2 Jahre: wechseln oder bleiben. In der Touristik sogar noch weniger Markentreue, heute TUI, morgen TC und der LM-Urlaub dann noch mit L'Tur. Zum Punkt "guter Ruf" einfach mal den aktuellen shitstorm auf der vodafone-facebook lesen - guter Ruf geht anders.
Seine IT-skills muss TUI nun aber auch zulassen - ansonsten wird er schnell frustriert sein, wenn das Unternehmen sich weiterhin gegen echte! IT-Revolutionen streubt. Der TUI-Marktplatz ist ja nun nicht der Quantensprung...
Man wird sehen...
von Horst, 31.07.12, 14:15
Die mittelständische, Inhaber geführte Veranstalterlandschaft dürfte jubeln. Je weniger emotionale Bindungen des Neuen an unsere Branche vorhanden, dafür um so mehr Shareholder-Value orientierte Managementerfahrungen von den (Haupt-)Aktionären gefragt sind, desto mehr werden zumindest auf absehbare Zeit die immer noch dominierenden klassischen Reisebüros versuchen, sich aus aus den Zuckerbrot-und- Peitsche-Konditions-Zyklen der Giganten zu lockern. Und ob der "Neue" die schon fertigen Umbaupläne der TUI übernimmt, oder nicht doch lieber zügig eigene und vielleicht ganz andere Zeichen setzt, um seine Macht und "Tatkraft" seinem Aufsichtsrat gegenüber unter Beweis zu stellen, könnte eher die Unruhe im Unternehmen und den Fatalismus unter den nunmehr seit Jahren im organisatorischen Dauerschwebezustand befindlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf ALLEN Ebenen eher verstärken als zu stoppen. Beim Seiteneinstieg von Dr. Frenzel sahen die Welt und ihre hiersigen touristischen Akteure noch ganz anders aus. Bei den Mittelständlern ist sie noch vorhanden - und sie feiert - technisch aktualisiert und g´flexibel agierend, sogar fröhliche Urständ.
von Hubert W., 31.07.12, 14:52
Zitat: "Er gilt als ausgewiesener IT-Experte, was heute einen Gutteil der Manager-Expertise in einem Reise-Unternehmen ausmacht."
Das ist wohl Problem und Lösung! Je mehr ein CEO sich auf die Technik konzentriert desto mehr verliert er möglicherweise den Sinn für das Wesentliche "den Kunden". Ein Handy ist kein emotionales Produkt! Und ein TelefonVetrag ist nicht mit "Vorfreude" verbunden. Es wird interessant zu sehen, wie ein "Techniker" einen Reisekonzern lenkt. :)
von Bernd Hellmuth, 31.07.12, 15:35
urlaubsflatrate fänd ich klasse.
von alex, 31.07.12, 16:56
Techniker - spricht für ein gerüttet Mass an Realitätssinn. Was sich dann tatsächlich tut - in einem Jahr werden wir vielleicht ein wenig schlauer sein.
von Andreas Schulte, 31.07.12, 17:43
So wie beim Telefon heute die Mehrheit der Kunden nicht weis was ihr Tarif beinhaltet, wird es langsam auch in der Touristik der Kunde hat zwar eine Pauschalreise gebucht aber der Flug ist in Wirklichkeit von dem einen und das Hotel über einen anderen Veranstalter und der Transfer wird von jemandem durchgeführt der weis heute noch gar nichts davon und wenn sich dann mal was unvorhergesehenes ändert dann fühlt sich niemand zuständig.
Also egal welche Branche das Chaos ist überall.
Ich denke das passt schon, eine Führungskraft aus der Telekommunikatinsbranche, weil wirklich helfen wird das der TUI auch nicht mehr !
von Robert, 01.08.12, 21:05
Schade eigentlich das nicht jemand aus dem touristischen Bereich genommen wird .
Hat die Tui kein Vertrauen in ihre eigen Leute oder muss jemand von aussen kommen der mal so richtig aufräumt um dann nach 1-2 jahren wieder geht lässt wenn nicht klappt bzw.dem mann wieder gehen lassen kann wenn zuviele schreien das das nix war.
Mag sein das wer auch immer sich mit zahlen gut auskennt aber Touristik hat auch was mit Herz und Leidenschaft Verständnis für den Kunden und Produkten zu tun
Was heisst schon it Experte dafür gibt es Fachberater das muss ein chef nicht alles wissen.
Mir scheint es ist eher ein wunschdenken der oberen Etage das mann wenn mann so jemanden holt auch solche zuwächse bekommt .
lg
von tce-reisen, 02.08.12, 15:45
An der Spitze einer Holding wie TUI oder auch TC braucht man keine Touristiker oder sonstige Fachleute, da kommts auf andere Fähigkeiten an. Z. B. Aktionäre finden und ruhigstellen.

Aber nb: Mich erinnert diese Personalie an den IT- und E-Commerce-"Experten" Holtrop von T-Online bei der damaligen C&N. Mal sehen, wie's hier ausgeht... :-)
von Skeptiker, 03.08.12, 09:23
Ja, ja, der Fachkräftemangel macht halt auch vor den oberen Etagen keinen Halt. Möcht mal wissen, ob ich einen hochbezahlten Job bekommen würde, obwohl ich keine Fachkenntnis habe. Manager oder Politiker müssen halt keine Fachkompetenz haben - verkehrte Welt!!!!!!
von Uschi, 03.08.12, 09:39
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