Was der Counter (noch) besser kann als das Web

Der erste Blick in das druckfrische fvw-Dossier "Reisevertrieb" ist trügerisch: Natürlich wachsen die Umsätze bei den Online-Reisebüros stärker als im stationären Vertrieb. Aber der Counter schlägt sich bemerkenswert gut, vielleicht sogar besser als viele Portale. Aber wie lange geht das gut?

Herzlichen Glückwunsch an fast alle deutschen Reisemittler: Laut aktuellem fvw-Dossier "Deutscher Reisevertrieb", das morgen als gedruckte Beilage in der neuen fvw 12/12 erscheint, hat der Vertrieb deutlich zugelegt. 6,7 Prozent mehr vermittelter Umsatz als im Vorjahreszeitraum gab es in 2011. Und das Wachstum streckt sich über alle Segmente des Reisegeschäfts. Und klar, die Online-Reisebüros, legten am deutlichsten zu.

Jetzt aber wird es spannend. Das Wachstum im E-Commerce kommt offenbar in wesentlichen Teilen aus Eigenveranstaltungen sowie aus dem Verkauf von Flugtickets und Hotels. Bei Pauschalreisen sieht es durchwachsen aus. Es sind ganz offenbar primär Unister und Holidaycheck, die im Kernsegment des Reisegeschäfts deutlich zulegen. Viele Mitbewerber stagnieren hier oder gaben sogar Veranstalter-Umsatz ab.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Es ist halt ziemlich aufwändig, mit allerorts preisgleichen Produkten die anerkannt preissensible Online-Kundschaft auf das eigene Portal zu lenken. Das gelingt nachgewiesen gut über intensives Online-Marketing, von dem dann wiederum in erster Linie die Werbeträger Google & Co profitieren. Ganz anders ist die Lage im stationären Vertrieb. Der dort vermittelte liegt um respektable fünf Prozent über Vorjahr. Das ist beachtlich.

Wieso ist das so? Der Vorteil der persönlichen und damit individuellen Beratung ist unbestritten.Aber es kommt einiges hinzu. Noch immer sind komplexe Rundreisen und individuelle Touren als Veranstalter-Produkt im Web schwer bis gar nicht buchbar. Und möglicherweise hat sich beim Kunden auch herum gesprochen, dass mit Ausnahme der umstrittenen und nicht immer kundenfreundlichen Rückvergütungen auch im Internet nicht mit Rabatten im eigentlichen Sinne zu rechnen ist, wenn es um Veranstalter-Produkte geht.

Unter dem Strich ist das ein stolzer Erfolg für den stationären Vertrieb. Zu lange jubeln sollten die Reisemittler allerdings nicht. Die sich abzeichende Konzentration des Veranstalter-Geschäfts auf wenige Online-Portale heißt nicht, dass der E-Commerce erlahmt. Es gibt keine Anzeichen, dass die Wachstumsgrenze für den Verkauf von Pauschalreisen im Web erreicht ist. Und für alle anderen Segmente der Touristik ist sie es ohnhin nicht. Einzelleistungen werden zunehmend online gebucht. Und diese Bausteine werden nicht mehr nur von Veranstaltern zu attraktiven Reisepaketen gebündelt, sondern zunehmend von Leistungsträgern selbst und auch von externen Anbietern, wie etwa Preisvergleichssystemen oder Coupon-Anbietern.

Der europäische Reise-Verband Ectaa sorgt sich völlig zurecht, dass bei der anstehenden Revision der europäischen Pauschalreise-Richtinie eben diese Anbieter mit Freiheiten im Verbraucherschutz ausgestattet werden, die den Veranstaltern verwehrt bleiben. Das wäre dann ein arges Problem nicht allein für die großen Reiseveranstalter, sondern auch für jene, die diese aktiv verkaufen. Veranstalter und Reisebüros bilden zunehmend eine Schicksalsgemeinschaft. Wer diese schwächt, könnte langfristig Probleme bekommen. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema...

 

KOMMENTARE
Komplexe Rundreisen und indviduelle Reisen sind auch im Netz buchbar und Kunden erhalten hier im Internet oft einen besseren Service. Für solche "Longtail Produkte" eignet sich das Internet als Vertriebskanal einfach wesentlich besser, da sich Spezialisten einfacher zu ihrer kleinen Zielgruppe Zugang finden. Ein Vergleich zur Musik: in früheren Musikgeschäften gab es die TOP100, dazu eine gute Beratung. Bei Fragen zu Musiktiteln aus entfernten Kontinenten konnte der Berater im Laden um die Ecke nicht helfen, wie auch. Während für diese Longtail Produkte dann iTunes, amazon & Co die passende Plattform geschaffen haben.
von Andre Kiwitz, 07.06.12, 11:19
Wenn man Leute befragt, was sie im Internet buchen, dann kommen als Antwort überwiegend die "einfachen" Buchungen - ein Hotel, ein Bahnticket, ein Flugticket oder eine Reise "1 Woche Türkei mit AI".

Bei komplexeren Produkten informiert sich der Kunde zwar im Internet. Die Beratung und Buchung erfolgt dann im Reisebüro oder direkt per Telefon beim Spezialveranstalter. Das Internet war dann zwar an der Buchung "beteiligt", die wesentliche Arbeit erfolgt jedoch ausserhalb des Internets.
von Dietmar Pedersen, 07.06.12, 13:17
Heute Abend TV commercials von: Expedia, reisen.de, aidu.de, hotelreservierung.de, trivago.de, travel24.de gesehen. Veranstalter: 0. Vieles ist ja unter dem Leipziger Dach gebündelt, und ich behaupte auch nicht dass TV immer profitabel ist. Aber ohne Marke und Präsenz der VAs (die sich lange und intensive TV-Strategien aufgrund Kostenstruktur einfach nicht leisten können), wird die Verschiebung zu online aufgrund noch besserer Beitbrand-Infrastruktur und schnelleren Endgeräten noch zunehmen. Für Vieles braucht es das Reisebüro nicht mehr. Meine Prognose: in 5 Jahren werden gute Veranstalter wenige, aber gute und anders strukturierte "hotspots" betreiben. The Next Gen wird nicht mehr vor endlosen Katalogwänden stehen wollen... Es bleibt spannend.
von Horst, 08.06.12, 00:02
In den nächsten Jahren wird es sowieso eine weitere Verzahnung der beiden Vertriebswege geben. Gute stationäre Reisebüros bieten zunehmend auch Onlineplattformen mit guten Buchungsmöglichkeiten. Hier kann der Kunde dann auswählen, wie er buchen möchte oder sogar kombinieren (Beratung am Samstag im Büro, Buchung sonntags auf der Internetseite und montags im Büro noch die Sitzplatzreservierung erledigen). Genau hier liegt eine große Chance des stationären Vertriebs.
Gleichzeitig ist ja zu beobachten, dass die reinen Onliner auch an den Counter wollen (z.B. Tropo, Expedia usw.).
Deshalb sehe ich nur bedingt die Gefahr eines Kriegs "Online vs Offline". Wir am Counter haben auch weiterhin viele Vorteile: wir kennen unsere Kunden und haben ein Verhältnis zu diesen welches ein OTA nie haben wird. Die zunehmende Komplexität der Produkte (Anzahlungen, Transfers, Stornobedingungen, via-Flüge, Economy-Zimmer etc) verunsichert den Verbraucher zunehmend und er sucht nach Experten, die ihn durch diesen Dschungel begleiten.
Nur muss man den Verbraucher in der Zukunft eben dort abholen, wo er gerne buchen möchte.
Und es ist völlig richtig, die viel größere Gefahr dürfte in bislang unbekannten Größen wie einer Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie oder Anbietern wie etwa Google liegen. Auch der Direktvertrieb von Leistungsträgern steigt zunehmend und diese Buchungen laufen weder über ein On- noch über ein Offline-Reisebüro.
von Alexander Schulten, 08.06.12, 09:38
Was gehört denn alles zum E-Commerce. Mir wurde gesagt das auch Mail-Buchungen dazu gehören sollen. Dieser Buchungsweg wird auch von dem stationären Vertrieb genutzt und ist sicherlich nicht sep. ausgwiesen bei den Reisebüros. Die Daten sind nicht wirklich empirsche Daten sondern oft hochgerechnet und geschätzt. Wie heisst es so schön:" Ich vertraue keiner Statistik die ich nicht selber gefälscht habe.!"
Die Reisebüros können sich jedenfalls freuen, dürfen sich halt nur nicht darauf ausruhen sondern weiterhin auch innovativ planen.
von Jochen, 08.06.12, 09:48
Horst und Andreas Schulten haben auf ihre Weise beide Recht: Im Fernsehen laufen nur noch Werbekampagnen der Portale, allen voran Unister. Natürlich bietet das Reisebüro, wie Andreas schreibt, viele Vorteile. Aber weiß das der Verbraucher überhaupt?
Eine Bekannte von mir (Mitte 20) hat gerade bei Ab-in-den-Urlaub eine Pauschalreise gebucht. Als ich sie fragte, warum sie das nicht im Reisebüro getan hat, sagte sie: Das kostet doch noch eine Beratungsgebühr extra! Für einen Flug hattte sie dort nämlich schon mal ein Service-Entgelt gezahlt, und sie war fest davon überzeugt, dass dies auch für Veranstalterreisen gilt. Wir sehen also, die Reisebüros müssen wirklich trommeln für ihre Leistung und das nicht den Portalen überlassen.
von Stefan Werner, 08.06.12, 10:12
Wir haben ja viel mir diesen buchenden kunden am Flughafen zu tun und es gibt hier einie gruppen von internet kunden haben wir festgesellt .
die erste gruppe die geizer knausser super schlauen widerlinge kommen ins reisebüro lassen sich beraten und buchen dann in internet weil günstiger als bei uns durch den gutschein.schuld die veranstalter zahlen den grossen zuviel provision auf zuwächse usw.weil die auch keinen mut haben zu ne wir zahlen nur soviel wie einen normalen reisebüro und das war ohne superprov.dann wäre das problem der gutscheine mal reduziert.
2 gruppe sind die kd.die keine ahnung haben denken es ist billger vergleichen nicht sondern meinen es ist günsitger ohne info einfach weil es modern ist-
3 .gruppe keine zeit viel arbeit spät nach hause kein büro mehr offen kinder und frau wollen weg oder mann und knder wollen in den urlaub ja dann mal an den pc und gebuht und ruh ist.
Der counter kann mehr als jeder internportal nur nicht immer günstiger leider .
von tce-reisen, 20.07.12, 13:04
© 2006 - 2014 Verlag Dieter Niedecken GmbH, Alle Rechte vorbehalten.
fvw.de | Impressum | Kommentarrichtlinien | Kontakt