Dinge von denen...

...ich gar nichts wissen will, sind die Kernaussagen aktueller Touristik-Studien: Urlaub kann dick machen, Lastminute-Anbieter rechnen mit einem Lastminute-Jahr und Versicherer sehen ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Und sonst?

Spüren Sie dieses Kribbeln? Gewiss, es war nicht der Vorspann dieses Blogs, sondern die nahende Hauptreisezeit, auf die sich die Mehrheit der Deutschen in diesen Tagen freut. In den Publikumsmedien ist das die Zeit für intensive Reisetipps. Und für die Kollegen im Bereich Public Relations ist das der fruchtbarste Boden, um werbewirksame Botschaften im redaktionellen Umfeld zu platzieren.

Eine Methode boomt seit Jahren derartig, dass ich Sie Ihnen einfach noch mal ans Herz legen möchte. Stellen Sie einer zumindest subjektiv als representativ einzuschätzenden Anzahl von Menschen eine möglichst originelle Frage, werten sie sorgsam die Ergebnisse aus und verdichten sie die Aussagen zu einer wirksamen Botschaft, die Sie dann per Pressemitteilung in die Medienwelt jagen.

Wir bekommen zurzeit täglich solche Meldungen, auch wenn wir als Fachmedium vermutlich nicht die Zielgruppe sind. Das sind die Kollegen in den Publikumsmedien. Und die greifen Ihre Botschaften erstaunlich häufig dankbar auf. Ein kleine Auslese als gutes Beispiel:

  • Deutsche kennen sich bestens im Umgang mit Trinkgeld aus, meldete jüngst die Kölnische Rundschau. Woher sie das Wissen haben, steht auch im Text. Natürlich vorm Auftraggeber der zitierten Studie, der Reise-Community Tripadvisor.
     
  • Dass nur 18 Prozent der Deutschen die Gebühren für die Geldabhebung im Ausland kennen (woher auch?), war Banktip.de und anderen Verbraucherportalen eine Meldung wert. Basis war eine Studie der PR-Agentur Faktenkontor, die mehrere Finanzdienstleister betreut. Ihr Credo: Am besten gleich mehrere Zahlungsmittel mit in den Urlaub nehmen. Das erfreut im Zweifelsfall gleich auch mehrere Kunden von Faktenkontor.

Und damit Sie sich nicht wundern, was Sie vermutlich in den kommenden Tagen so lesen werden hier schon einmal die Meldungen der kommenden Tage, frisch aus unserem Posteingang und leider noch nicht frei im Netz verfügbar. Aber das wird sich bestimmt bald ändern.

  • Das Reise-Portal Holidaycheck weist heute darauf hin, dass laut eigener Umfrage 39,2 Prozent der Begfragten im Urlaub zunehmen. 20,8 Prozent tun das nicht. Wie viele im Urlaub abnehmen, ist im Pressetext leider nicht erwähnt. Nach simpler Multiplikation der in der Mitteilung angegebenen Teilmengen würde ich von einer Restmenge von etwa 31 Prozent der Befragten ausgehen. Die wiederum wäre deutlich zu groß für die durchaus wirksame Headline der Pressemeldung: "Viele erleben Kiloschock nach dem Urlaub". Wollen wir wetten, dass diese Aussage trotzdem zeitnah so irgendwo zu lesen sein wird?
     
  • Mein heutiger Favorit im Posteingang ist die Studie der Suchmaschine Skyscanner. Sie hat ihre User gefragt, was während des Fluges am meisten vermisst wird (siehe Bild): 1. Schlafkabinen, 2. schalldichte Abteile, 4. Massagestühle, 5. kostenfreie iPads und 6. duchsichtige Böden und Decken. Zumindest jenseits der First Class fehlt hier, iPads einmal ausgenommen, ein plausibles Business Modell. Widmen wir uns also dem dritten Platz im Ranking. Gewünscht sind "Anti-Kinder-Tritt-Sitze".  Wie die funktionieren und wer hier wen nicht treten darf, steht leider nicht in der Studie. Dass (zumindest der fremde) Nachwuchs im Flieger nicht immer willkommen ist, ist aber eine wichtige Botschaft. Wer sich nun ebenfalls baulichen Schutz hinter der eigenen Rückenlehne wünscht, dem sei noch Platz sieben der Wunschliste nahegelegt. Freie Sitzplatzwahl für Singles im Flugzeug. Überlegen Sie sich noch einmal gut, wen Sie im Zweifelsfall lieber hinter oder neben sich sitzen haben wollen.

Machen Sie sich also ruhig einmal Gedanken, mit welcher Frage Sie ihre Kunden und User konfrontieren wollen. Manche Medien nehmen die Ergebnisse dankbar auf. Und das ist dann eine wirklich tolle Sache für Ihr Unternehmen. Ich räume neidlos ein, das ist dann sogar noch toller als die Erwähnung in diesem Blog.

KOMMENTARE
Es fehlen noch die schlüpfrigen Umfragen, denn Sex sells auch im Urlaub. Also wann werden, wie in den Vorjahren, endlich folgende wichtige Fragen beantwortet: Welche Nation geht am meisten fremd? Wieviel Deutsche hatten schon einen Urlaubsflirt? Wieviel Prozent der Urlauber sind schon mal in einem anderen Hotelzimmer aufgewacht und können sich nicht mehr erinnern, wie die Dame oder der Herr neben ihnen heißt?
von Stefan Werner, 19.06.12, 14:47
Nicht zu vergessen ist das spektakuläre Ergebnis der Umfrage von Peil.nl (http://ow.ly/bG929) für holidaycars.com, wo wir u.a. lernen, dass 95% der Frauen die Koffer packen, dafür aber 87% der Männer diese ins Auto laden... Schön heute wieder etwas dazugelernt zu haben!
von Norbert Simon, 19.06.12, 16:59
Da isser, der Kiloschock: http://www.tourexpi.com/de-intl/news.html~nid=5988...

Ich hätte hier gerne demnächst die Lottozahlen...
von Ole Potinius, 20.06.12, 09:16
@Stefan Werner ... und natürlich nicht vergessen zu publizieren, *wo* genau man eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für entsprechende Erlebnisse hat (Urlaubsland/ort, Hotel/-kette usw) - evtl noch unterteilt nach m/w, Altersgruppe etc. - insbesondere dann, wenn dabei nicht die üblichen Verdächtigen rauskommen. Den Auftraggeber der Studie dann aber natürlich ganz klein drucken :-)))
von Skeptiker, 20.06.12, 10:50
Diese sog. Studie ist besonders sinnfrei:

http://www.huffingtonpost.com/2012/06/25/air-trave...
von Andreas Schürrle, 26.06.12, 15:00
nach einer befragen enlischen Urlaub nach dem urlaub haben die kunden nach einen Zypern urlaub 1,5 kilo zugenommen auf platz zwei liegt die türkei mit 1,4 kilo
es gab aber auch 3 länder wo die Urlauber abgenommen haben es waren vorallen nicht die typischen allink.ländern sonder länder wo mann sich viel bewegen kann und muss.
sait
von tce-reisen, 20.07.12, 12:43
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