Bewertungsportale am Pranger
Sind Hotelbewertungen im Internet erstunken und erlogen? Die Publikumspresse stürzt sich auf das Thema, das auch viele Reisebüros, Veranstalter und Hoteliers bewegt.
Mit Bewertungen kann man viel Geld verdienen. Das zeigt das starke Umsatzwachstum von Holidaycheck oder die diese Woche vollzogene Übernahme des vor allem für seine Restaurantbewertungen bekannten Portals Qype durch den US-Konkurrenten Yelp. In der fvw, auf fvw.de und auch hier im Blog sowie in unserem E-Blog haben wir umfangreich berichtet, dass Reisebüros und Veranstalter Hotelbewertungen oft kritisch sehen (vor allem bei Portalen, wo kein Nachweis für die Reise erbracht wird). Kürzlich berichteten wir über eine Studie, wonach schätzungsweise zehn bis 15 Prozent aller Kommentare Fake sind. Holidaycheck & Co halten dagegen, dass sie per System und manuell mit hohem Aufwand die Einträge prüfen.
Jetzt – komischerweise zum Ende der Reisesaison – erreicht dieses Thema wieder großflächig die Publikumspresse. In der "Frankurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagt der bekannte Tourismus-Professor Roland Conrady aus Worms, dass mindestens jede dritte Bewertung gefälscht sei. Er könne nur jedem Urlauber raten, "solchen Bewertungen keinen allzu großen Glauben zu schenken". Dem Magazin "Stern" ist das in der neuen Ausgabe sogar eine Titelgeschichte wert (in der es nicht nur um Reisen geht). Auf ihrer Website haben die Hamburger ein paar Beispiele, auch von Holidaycheck, von sehr plumpen Fälschungen zusammengestellt.
Die Frage ist für mich: Wie geht es eigentlich weiter? Hoteliers wehren sich zumehmend gegen falsche Bewertungen von chronischen Nörglern. Da gibt es nicht nur die legendäre gerichtliche Auseinandersetzung von A & O Hostels und Holidaycheck, auch bei Tripadvisor gibt es einen ähnlichen Fall. Hotels mit einer Bewertung von weniger als 75 oder 80 Prozent haben Schwierigkeiten, überhaupt noch in die Kataloge der Veranstalter aufgenommen zu werden. Reisebüros sind genervt, wenn sie aus eigener Anschauung oder von ihren Stammkunden eine andere Einschätzung haben als die anonymen Bewerter.
Ich selbst stehe übrigens für zwei Fraktionen: Ich bin viel unterwegs und schaue mir von allen bereisten Hotels die Bewertungen an. Fast immer deckt sich das stark mit meinen eigenen Eindrücken. Aber ich gebe es zu: Ich habe zu Testzwecken auch schon mal eine fiktive Hotelbewertung abgesetzt, die auch prompt veröffentlicht wurde.
Wie sehen Sie das Thema? Sind Hotelbewertungen mittlerweile für Reisebüros, Veranstalter und Hoteliers ganz normaler Alltag? Oder regen sich aktuell die "F.A.S" und der "Stern" – und auch Sie – zu Recht über die Fälscher im Netz auf?



Sobald es 20 oder mehr Bewertungen gibt, kann der Hotelier kaum noch fälschen, ohne dass es auffällt. Gefakte Bewertungen rächen sich garantiert: Wenn zahlreiche Gäste trotz angeblich guter Bewertungen total enttäuscht sind, dann hagelt es erst richtig negative Bewertungen.
Die Fragestelung ist auch falsch....nicht ob man fälschen kann ist relevant...sondern ob Bewertungen für Kunden ihren Sinn erfüllen. Web 2.0 funktioniert auch nicht einseitig....also auf Dauer kann man sich kein gutes Image verpassen ohne das es durch neue User wieder verändert wird.
Die Erfahrungen das die Bewertungen durchaus funktionieren ist nicht nur mit einigen Kommentaren hier belegt....sondern auch wir VIR und die IUBH haben eine Studie gemacht und Konsumenten befragt....und kamen zum selben Schluss http://www.v-i-r.de/vir-daten-fakten.htm......aber... es ist natürlich viel aufmerksamkeits stärker vor Fälschungen zu warnen...als zu sagen sie Funktionieren.
Nur der Ordnung halber Holiday Check hat gegen AO gesiegt!
Gruß
Buller
Auf www.xviser.de kann man neben Hotels, auch alles andere Bewerten. Restaurants, Produkte, Internetseiten und viel mehr.
Wir finden Tests im Grunde genommen sehr wichtig. Denn nur so können wir Fehler im System erkennen und daran arbeiten diese zu vermeiden. Allerdings wenn Tests, dann doch bitte einheitlich und mit fairen Mitteln.
Wer möchte kann sich gerne unsere Stellungnahme dazu in unserem Blog durchlesen: http://weblog.zoover.de/zoover-nachrichten/zoover-...
Liebe Grüße
das ZOOVER Team
Auch in diesem Kontext wird das Pareto-Prinzip Gültigkeit haben, also sind 80% schon ok. Autos werden nie mit optimierten Tacho verkauft, Lance Armstrong hat nie gedopt und noch nie wurde eine eine Hotelbewertung gefälscht...;-)
Dass der Vertrieb auf diesen trend eingeht und nicht gegen den Strom schwimmt, wem kann man das verdenken? Sollen wir den Kunden mit der Nase über den Monitor reiben?
Nur, wenn diese Portale dann noch das Geschäft an sich reißen wollen, dann haben wir handfeste Argumente, die dagegen sprechen.