Beständig im Wandel

Neue Rechtskniffe im Kampf gegen Rückvergütungen, eine neue Strategie bei Expedia und natürlich der große Umbau bei TUI Deutschland: Die neue fvw 20/11 ist prall gefüllt vom rasanten Wandel in der Touristik – und von einem beständigen Michael Frese. 

Die neue fvw 20/11 flattert heute in Ihren Briefkasten. Lassen Sie uns darüber reden:

1. Über das Thema Rückvergütungen war fast schon alles gesagt. Seit 2005 verfolgen wir das Thema in allen Facetten. Doch jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache. Schauinsland-Reisen und Rewe Touristik haben Kündigungen gegen Billigheimer ausgesprochen. Auch TUI und Thomas Cook sollen dem Vernehmen nach mit dem Volksbank-Partner Urlaubsplus im Clinch liegen. Nach Jahren der Stagnation kommt endlich wieder Bewegung in das leidliche Thema, weil offenbar ausgerechnet das Bundeskartellamt zu mehr Mut zu Agenturkündigungen aufgefordert hat. Waren die Veranstalter in dieser Sache zu lange passiv? Oder kämpfen sie ohnehin gegen Windmühlen, weil eben doch weite Teile des Vertriebs munter Rabatt-Gutscheine verteilen und die Trennung in Gut und Böse kaum möglich ist? 

2. Über die neue Struktur der TUI haben wir hier ebenfalls schon diskutiert. Acht Tage sind vergangenen, seit Volker Böttcher sein gleichzeitiges Streich- und Wachtumsprogramm verkündet hat. Als sich am Wochenende gut 1500 Touristiker (davon locker 30 aus der TUI-Zentrale) auf der Jahrestagung der Reisebüro-Allianz QTA in Salzburg trafen, war der Marktführer das dominierende Thema. Der hatte, vor langer Hand geplant, zum üppigen Gala-Dinner in die Salzburg-Arena eingeladen. Vielleicht war es etwas zu üppig angesichts des anstehenden Kostenschnitts in Hannover. Die scheidende Agentur-Ikonen Hasso von Düring und Dieter Zümpel betonten noch einmal ihre Nähe zum stationären Vertrieb. Und ja, das soll tatsächlich auch gelten, wenn das Duo nicht mehr für den Fremdvertrieb verantwortlich ist. Oder haben Sie daran etwa Zweifel?

3. Auch bei Expedia.de gibt es neue Strukturen. Zwei Jahre nach der Verlagerung der Deutschland-Zentrale ins schöne London wird nun wieder ein hauptamtlicher Deutschland-Chef gesucht. Expedia setzt auf die Mischung aus "lokaler Kompetenz und zentraler Effizienz". So heißt das bei globalen Playern, wenn man radikale Schritte wie den Abzug aus Deutschland wieder korrigieren muss.  All business is local. Ja sicher, das hätte ich auch in deutscher Sprache schreiben können. Aber ich würde mich freuen, wenn dieser Satz auch im angelsächischen Sprachraum verstanden wird.
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich ziehe vor Expedia eideutig den Hut. Kaum ein anderes Unternehmen hat in den letzten zehn Jahren so viel Innovationen hervorgebracht wie die einstige Microsoft-Tochter. Und häufig genug ist Expedia Vorbild für andere: Bei der Gründung dynamischer Veranstalter etwa oder auch bei der Verlagerung des Internet-Geschäfts großer Veranstalter wahlweise nach London (Thomascook.de) und nach Berlin (TUI.com). Ob hier wohl bereits das letzte Wort gesprochen ist?

Zum Abschluss noch eine Leseempfehlung. Auf vier Seiten berichtet in der neuen fvw meine Kollegin Christiane von Pilar über Dertour-Chef Michael Frese. Nein, der Baustein-Platzhirsch verkündet keine neue Strategie, er hat kein neues Organigramm, er gründet kein neues Veranstalter-Label und und er plant auch kein Outsourcing. Michael Frese ist ziemlich erfolgreich, vielleicht genau deshalb?

KOMMENTARE
Ein touristisches Unternehmen, dass dem externen Reisevertrieb nahe steht, kann es nicht zulassen, dass an einem Tag wie heute (kurz vor den Herbstferien, kurz vor dem möglichen Streik, Sommer-opening, Kurzfristgeschäft uvm. ) fast den ganzen Tag das Buchungssystem oracle "T" error Meldungen bringt und nicht zu nutzen ist. Anrufe im "Servicenter" nach endlosen Warteschleifen mit der Aussage "können wir auch nichts machen, wir wissen auch nicht wann/wie es weiter geht" .
Wie wir alle wissen, ist dieser Tag nicht er erste mit massiven iris Probemen, die durchschnittliche telefonische "nicht"-Erreichbarkeit der TUI MA ist eine Katastrophe! Man könnte fast an Sabotage denken, aber alles "made by TUI"

Und in so einer Situation gibt de "Chef" den geplanten Abbau von mehr als 500 Arbeitsplätzen bekannt... Nicht einmal mit Bedauern, sondern im global player- Deutsch: optimistisch, dynamisch, zielorientiert... Und auch auch die FVW folgt dieser "Sprechweise".

Dann wird in der HAZ ein Interview gegeben (und autorisiert?), welches die Touristik-Managerin des Jahres 2011 diskreditiert.

Nein Herr Böttcher: das ist kein guter Stil! Und nein, "Stil" ist nicht das Ende eines Besens!
von Claudia Mades, 11.10.11, 01:31
Deswegen werden ja Touristiker entlassen und "technikaffine Mitarbeiter" eingestellt. Dann geht die booking engine wieder schneller und es braucht gar kein Service Level von 99%.
von Horst, 11.10.11, 11:48
Da streikt bei Buchungsfreigabe das System, in Hannover alle Leitungen ewig belegt, kein Durchkommen möglich. Und was macht Herr Böttcher? Er nimmt uns Reisebüros aus der VKL Mitte unsere Ansprechpartner, unser "Gesicht" der TUI. Die Leute die uns und unsere Büros noch persönlich kennen und unbürokratisch helfen konnten, wenn in Hannover mal wieder nichts ging. Unsere VKL wird auseinander gerissen, wir werden wohl verteilt, unsere "Familie" die VKL Mitte einfach so weg rationalisiert. Sicherlich mit Zahlen und Fakten zu belegen, mit Herz auf keinen Fall!
von Britta Meloth, 14.10.11, 19:38
Die Schließung der VKL Mitte ist für mich absolut nicht nachzuvollziehen. Der persönliche Kontakt, der manche Buchung bzw. manchen Kunden gerettet hat geht verloren. Mein Hauptargument "TUI, da weiß man, was man hat" ist nicht mehr haltbar. Denn ich weiß noch nicht, was jetzt auf mich zu kommt. TUI zu buchen ist mittlerweile eine Tortur. Erreichbarkeit, Kulanz, Unterstützung werden auf ein Minimum rediziert.
Die VKL Mitte hat ihren Sitz in Frankfurt, hier ist der größte Flughafen Deutschlands. Direkte und persönliche Kontakte zum Betreiber sind nicht mehr erforderlich? Hier ist eine Entscheidung der "Zahlmeister" getroffen worden, keine Entscheidung mit Herz und Verstand.
von Katrin Strickrodt, 15.10.11, 10:40
Nach all dem was die TUI da jetzt macht stellt sich die Frage:
Wer braucht die TUI eigentlich noch ?

Wer ernsthaft über diese Frage nachdenkt wird zugeben müssen - die anderen können das gleiche oder sogar noch besser !
von Robert, 15.10.11, 20:44
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