Verhuvens große Herausforderung
Personal-Hammer in Duisburg: Touristiker Ronny de Clercq scheidet aus, Dierk Berlinghoff wird neuer Geschäftsführer. Wird Alltours-Gründer Willi Verhuven tatsächlich ein Stück weit loslassen?
Als Verhuven vor einigen Wochen ankündigte, er suche einen Geschäftsführer für das Touristik-Geschäft, um sich auf seine Rolle als Vorsitzender des neu gegründeten Beirats zu konzentrieren, waren nicht wenige in der Branche verwundert. Verhuven hat zwar Großes geleistet, aus einem kleinen Reisebüro den viertgrößten Veranstalter entwickelt, aber wirklich Verantwortung abgeben war bislang, so schien es, nicht unbedingt seine Stärke. Ob Peter Wennel, Markus Daldrup, Ralph Michaelsen oder nun Ronny de Clercq, viele gestandene Touristiker haben Alltours nach mehr oder minder langer Zeit wieder verlassen.
Man kann sich zwar Alltours ohne Verhuven gar nicht vorstellen, aber anderseits muss der 60-jährige Gründer einen Weg finden, wie das Unternehmen mittelfristig in die weitere Zukunft geführt werden kann. Das gebietet schon die Verantwortung für die Mitarbeiter, die Verhuven nie auf die leichte Schulter genommen hat. Da ist die Idee des Beirats eigentlich sehr vernünftig. Verhuven muss nun aber beweisen, dass er es wirklich ernst meint und Berlinghoff die entsprechenden unternehmerischen Freiheiten einräumen.
Der langjährige Rewe-Touristiker Berlinghoff, der nach seinem Ausscheiden in Köln die Beratungsfirma Skyland Consulting in Berlin gründete und zuletzt bei Öger Tours im Einsatz war, ist ein erfahrener Touristik-Profi. Er ist, wie sein früherer Ziehvater, der unvergessene Dietmar Kastner, ein großer Pragmatiker und dürfte so mit Verhuven, dem großangelegte Konzernvisionen stets ein Gräuel waren, auf einer Wellenlänge liegen. Berlinghoff soll die "Rückkehr zur unumstrittenen Preisführerschaft" einläuten – vergangene Woche musste Alltours gerade großflächig bei den Sommerpreisen nachbessern. Das verspricht spannend zu werden, wenn es kurz vor der ITB heißt: "Berlinghoff, übernehmen Sie!"



Wenn der Preis das einzige Kaufkriterium wäre, würden wir alle schon längst Dacia oder Skoda fahren statt BMW und Audi.