Das Mallorca-Desaster
Ex-Tourismusminister und der Werbechef wegen Korruptionsaffäre verhaftet – Mallorca macht im Moment mal wieder Schlagzeilen. Zeit, dass sich was dreht.
Der aktuelle Tourimusminister Miquel Ferrer wurde entlassen, seinem Vorgänger Miguel Nadal und dem Generaldirektor für touristische Werbung, Joan Sastre, wird Korruption vorgeworfen. Nadal ist Mitglied der Union Mallorquina (UM), die lange von Maria Antònia Munar geführt wurde. Touristiker auf der Insel berichten seit langem hinter vorgehaltener Hand über Korruption. "Das ist wie Sizilien, nur ohne Morde", sagte neulich sogar ein Manager zu mir. Dazu kommt, dass Mallorca rückläufige Gästezahlen verbucht. Aus Deutschland kamen 2009 fast elf Prozent weniger Urlauber.
In Spaniens privatem Sektor wächst generell der Unmut über die für Touristik zuständigen Politiker. Auch auf den Kanaren und in anderen Regionen wie Marbella wurden schon zuvor Korruptionsfälle aufgedeckt. Auf der jüngsten Konferenz des spanischen Branchenverbands Exceltur im Januar in Madrid übten Top-Hoteliers wie Sebastián Escarrer (Sol Meliá) oder Simon Pedro Barceló (Barceló Hotels) deutlich wie nie zuvor Kritik. Kein Wunder: Spanische Hoteliers beherrschen ihr Handwerk, von Mallorca aus expandierten sie in die Karibik und die ganze Welt. Demgegenüber stehen, wie zuletzt auf Mallorca, heillos überforderte Provinzpolitiker.
Schon bevor die jüngsten Korruptionsskandale ruchbar wurden, waren die mallorquinischen Tourismusstrategen nicht gerade durch überraschende Konzepte oder geniales Marketing aufgefallen. Früher war das auch nicht nötig, die Urlauber kamen von allein. Doch diese Zeiten sind vorbei, andere Länder im östlichen Mittelmeer geben Gas im Marketing.Doch alles Lamentieren nützt nichts. Mallorca und die Balearen sind nun mal das Brot- und Buttergeschäft der Veranstalter und auch der Reisebüros, am Wohlergehen des Inseltourismus haben wir Deutschen ein vitales Interesse. Und an der landschaftlichen Schönheit und den gastronomischen Reizen besteht ohnehin kein Zweifel. Wie sehen Sie das Mallorca-Geschäft – und was müsste die neue Tourismusministerin der Balearen, Joana Barceló (die übrigens nicht mit der Hoteldynastie verwandt ist), tun?

