Etwas mehr Vertrauen, bitte
Der Marktführer sagt lautstark "Sorry" und der Reisebürovertrieb staunt ungläubig. Warum der Strategiewechsel der TUI glaubwürdig ist. Und was das für Folgen hat.
Wer hätte das gedacht: Nach jahrelanger Diskussion setzt die TUI alle Hebel in Bewegung, um ihren umstrittenen Malus abzuschaffen. Mit enormen Aufwand wird in die Funktion und die Akzeptanz des ungeliebten Reservierungssystems NPM investiert. Garniert wird all das mit einem lautstarken Schuldeingeständnis, mehr Bonuspunkten im Expiclub und Werbekostenzuschüssen für die Mittler. Und wie reagieren die Büros? Primär stillschweigend und mit Skepsis.
Die Reaktionen der Basis auf den vor knapp einer Woche verkündeten Strategiewechsel der TUI gibt es eigentlich nur auf Nachfrage. In den Intranets wird munter diskutiert. Doch offenbar überwiegt immer noch die Skepsis. So fragen die Kollegen von Travel Talk in ihrer Internet-Community gerade an, was die Büros vom Abgesang auf den TUI-Malus halten. Das Zwischenergebnis der noch laufenden Umfrage ist vielleicht nicht repräsentativ (aktuell 113 Stimmen), macht aber aufmerksam. 49 Prozent der Expedienten wollen mit einer Bewertung des neuen Kurses "erst einmal abwarten", 19 Prozent "trauen dem Frieden nicht so recht". Nur exakt ein Viertel ruft "Yippie."
Das Misstrauen ist unverkennbar. Und genau das ist das größte Problem des Marktführers. Zwar hat er sein Provisionssystem immer wieder ausführlich erklärt und den umstrittenen Malus an die schwache Performance des Vorjahrs angepasst. Die Vergütungslogik ist dennoch so komplex, dass sie nur noch Insider en Detail verstehen. Eigentlich nur Mathematiker können erklären, was fair und unfair an der TUI-Vergütungslogik ist. Hinzu kommt, dass die Probleme des neuen Reservierungssystems NPM gerade in der Anfangszeit schöngeredet worden sind. Beides ist nicht gerade vertrauensfördernd.
In der morgigen fvw werden Vertriebschef Hasso von Düring und CIO Christian Zeller noch einmal ein sehr deutliches Schuldbekenntnis vorlegen. Man habe Fehler gemacht, nicht hinreichend auf den Vertrieb gehört, erklären die TUI-Manager. Nun will ich hier nicht den Anwalt der TUI spielen, aber von einem bin ich überzeugt: Wer so offen redet ist nicht angetreten, um Dinge schönzureden, sondern um Probleme an der Wurzel anzupacken. Oder sind Sie anderer Meinung?



Diesen plakativen Werbeslogan hat einst das in Deutschland führende Bankinstitut benutzt, um bei seinen Kunden für mehr Vertrauen zu werben. Und was ist daraus geworden? Richtig, die Ernsthaftigkeit der Aussage haben wir alle in der letzten Bankenkrise kennengelernt.
Jetzt versucht die TUI angesichts massiver Probleme verlorenes Terrrain zurück zu gewinnen und einige naiv anmutende Kommentatoren bitten die Basis um "etwas mehr Vertrauen"! Wenn es nicht so fürchterlich traurig wäre, dann müsste man jetzt laut loslachen "hahaha"!
Wollen wir uns ständig selbst belügen oder endlich einmal das Kind beim Namen nennen. Beispiel aus der jüngsten Vergangeheit belegen eindeutig, das man seinen Büro dicht machen kann, wenn man sein Vertrauen zu leichtfertig vergibt.
Die Kollegen Roth und Schulte haben Recht, wenn Sie sich eher zurückhaltend positionieren und zunächst einmal abwarten, was nun wirklich passiert.
Sollte die Streichung des Malus wirklich Bestand haben, dann ist dies lediglich eine kleiner Schritt in die richtige Richtung, denn das Problem der Provisionsgrenzen ist und bleibt ungelöst.
Außerdem wissen wir alle, wie schnelle sich das Fähnchen auch wieder in die andere Richtung drehen kann. Das gilt insbesondere für die Bereiche, in denen vornämlich heißer Luft produziert wird.
sehr gerne. In den 80ger Jahren habe ich zeitweilig mehr als 5 Mio/Jahr mit TUI umgesetzt. Erst nach der Liberalisierung, die fast gleichzeitig mit der
"Wende" kam, und die " Gier" der beiden Großveranstalter alle kaufmännischen und partnerschaftlichen Grundsätze vergessen ließen,
gingen sowohl bei uns als auch bei sehr vielen Kolleginnen und Kollegen die Umsätze zurück. So kam es dazu, daß die zuvor mehr oder weniger
gut zurecht gekommenen TUI-Agenturen auf einmal kleiner und kleiner und kleiner wurden. Mittlerweile ist es soweit, daß die doch so große TUI es
anscheinend nicht mehr nötig hat, mit einem Reisebüro zusammenzuarbeiten, welches IMMER besonders TUI-minded war, der TUI den "Filet-Platz"
im Regal freigehalten und das beste Schaufenster zur Verfügung gestellt hat.
Wenn die doch so große und gute TUI so weiter arbeiten möchte, soll sie es tun - aber ohne mich. Ich kann auch andere, faire Veranstalter buchen,
oder eben alles selbst machen. Im Gegensatz zu den meisten heute bei TUI tätigen Menschen haben meine Mitarbeiter und ich DAS noch gelernt.
Uwe Herrmann, Kiel
PS.: Ich wäre schon über 10% Happy, bei 11% könnten meine Mitarbeiter auch ein vernüftigeres Gehalt für den Stress bekommen.