Die Bahn kommt – nicht zur Ruhe
Deutschland ächzt unter dem Winterwetter. Die Deutsche Bahn warnt vor sich selbst – und ist offenbar doch besser als die Lufthansa. Herzliches Beileid an alle, die in kalten Bahnhofshallen und überfüllten Terminals sitzen. Ein Versuch der Auflockerung.
Eigentlich ist die Sache nicht witzig. Der Winter hat den Verkehr in Deutschland fest im Griff. Selbst, wenn der Schneefall nun nachlassen sollte, insbesondere der Luftverkehr dürfte für mehrere Tage außer Takt geraten sein. Mein Kollege Georg Jegminat rechnet bereits jetzt mit Konsequenzen auch für den nahenden Weihnachtsverkehr und weiteres Potenzial für Frust der Fahrgäste.
Dabei haben die Verkehrsträger vieles richtig gemacht. Die Deutsche Bahn fährt ihre ICE lieber mit reduzierter Geschwindigkeit, statt mit Highspeed direkt in die Werkstatt. Das ist wohl das geringere Übel. Auch bei vielen Airlines gelten kulante Umbuchungsregelungen. All das ist frewillig, denn es gilt "höhere Gewalt". Trotzdem ist das Frustpotenzial der Fahrgäste enorm.
Die Deutsche Bahn und auch der stets kritische Fahrgast-Verband Pro Bahn empfahlen gestern parallel einen Verzicht auf Bahnfahrten. Dumm allerdings, dass die Lufthansa genau das Gegenteil rät und ihre innerdeutschen Passagiere – mangels Alternativen – bevorzugt auf die Schiene umroutet.
Unter dem Strich wird es also wohl wieder die Bahn sein, die angesichts überfüllter Fernzüge im Zentrum der Kritik steht. Dass sie daran im Zweifelsfall so unschuldig ist wie die Airlines für die aktuellen Ausfälle und Verspätungen, geht in der Kritik schnell unter. Warten wir also auf Entspannung – und zwar gleichermaßen auf dem Wetteradar wie auf Straße, Schiene und in der Luft.
Wer seinem Bahnärger dennoch Luft machen will, dem empfehle ich den virtuellen Besuch bei einem Projekt, das so überdreht ist, dass es schon wieder lustig ist. Die Vereinigung ABF (die Etikette dieser Redaktion gebietet es, diesen Drei-Letter-Code nicht auszuschreiben) macht sich gerade daran, einen Film "aus dem Parallel-Universum der Bahn" zu drehen. "Himmel, Xxxxx und Bahn" (auch hier habe ich mal zum X-Platzhalter gegriffen) heißt das in Arbeit befindliche Meisterwerk. Sieht aus wie kompletter Nonsens, ist es wohl auch. Doch immerhin: die ersten Szenen sind im Kasten. Ein abendfüllender Spielfilm ist das erklärte Ziel.
So ganz gemeinnützig ist die Sache des Regisseurs und bekennenden Bahn-Kritikers Olli Neumann wohl nicht. Der Mann will bekannt werden, auf Kosten der Bahn. Doch sein Thema entwickelt sich gerade ziemlich viral und ist durchaus humorvoll gemacht – aus Sicht gefrusteter Fahrgäste. Gestressten PR-Strategen der Bahn empfehle ich auch bei diesem Thema einen entspannten Umgang. Aber das gilt zurzeit ja ohnehin für sämtliche Fragen des Verkehrsflusses. In diesem Sinne: Ich wünsche allen Lesern gute Fahrt, weihnachtliche Besinnlichkeit und – nur in der Silvesternacht - guten Rutsch.



Und unter dem Bild stand ganz groß: "Alle reden vom Wetter. Nur wir nicht."
Jetzt, nach über 100.000 (?) Entlassungen und mit dem vom Staat (das sind wir alle) formulierten Anspruch, möglichst billig zu bleiben und möglichst profitabel zu werden, haben die natürlich auch Risikomanager, wie jede (jetzt oder zukünftig) börsennotierte Gesellschaft. Die ermitteln Eintrittswahrscheinlichkeiten und potentielle Schadenshöhe und verkleinern dann die ICE-Klimaanlagen, die Anzahl der Schneefräsen, die Inspektionsintervalle für Oberleitungen und was einen früher sonst noch alles von hundertprozentiger Performance abgehalten hätte.
Ich behaupte ja nicht, dass die alles richtig machen (offenbar berücksichtigen sie z.B. die Effekte der öffentlichen Meinung nicht) oder dass das sowieso die richtige Denkweise ist ... in Extremfällen wie bei BP rechnen die erst gar nicht mehr damit, dass "es" überhaupt passiert und fahren die Vorsorge auf Null herunter... man ist ja "too big to fail", der Staat wird es zur Not schon richten, auch wenn er nicht will.
Aber die alte und die heutige Bahn an denselben Kriterien zu messen ist unfair und, wenn man Steuerzahler ist, auch etwas wohlfeil.