Eine kleine Merkliste für Reisebüro-Tester
Es ist wieder soweit. Die Reisebüro-Tester schwärmen aus und suchen Sensationen. Weshalb die Kollegen sich diese leider häufig selbst schnitzen müssen.
Über die Kompetenz der Publikumspresse reden wir gleich. Aber eins wissen die Kollegen ganz genau. Im dunklen Januar, also genau dann, wenn in deutschen Haushalten die Entscheidung für den nächsten Sommerurlaub ansteht, fallen Reisebüro-Tests bei den Lesern und Zuschauern auf besonders fruchtbaren Boden. Und da ein guter Test eine möglichst zündende Nachricht enthalten sollte, erfreuen uns die Medien in dieser dunklen Jahreszeit immer wieder mit neuen Erkenntnissen. Die jüngsten zwei Top-News aus der Reisebüro-Forschung vom gestrigen Tage hier in komprimierter Form.
1. Die Computer-Bild findet heraus, dass örtliche Reisebüros oftmals günstiger sind als das Internet. Das würde ich unterstreichen, insbesondere dann, wenn sich der örtliche Reiseprofi die Mühe macht, das volle Angebot an tagesaktuellen Bausteinreisen zu sichten und aufzubereiten.
Dumm nur, dass die Bild-Tester zumindest teilweise Äpfel mit Birnen verglichen haben. So war eine Ägypten-Reise am Counter nur deshalb klar billiger, weil dort keine Pauschalreise sondern Hotel-Only gebucht wurde. "Der Test ist eine Katastrophe", sagt VIR-Vorstand Michael Buller. Ob und wo weitere Preisvorteile für den Counter zustande kommen, lasse sich nicht klären, da die Computer-Bild laut Buller nur für diesen einen Fall die vollständigen Buchungsdaten genannt habe.
2. Die ZDF-Sendung Wiso beglückte ihre Zuschauer gestern ebenfalls mit massiven Preisunterschieden. Acht Ketten- und Franchise-Büros (und keinesfalls nur Veranstalter-Büros, liebe Kollegen) testete ein TV-Team. Ergebnisse: Jedes Büro nennt andere Preise. Und: Keins ist so günstig wie das von Marija Linnhoff in Iserlohn.
Wer? Richtig, Marija Linnhoff war im Herbst auch Heldin in einer Story des Magazins Wirtschaftswoche (Achtung: Wiwo, nicht Wiso) über die ach so hohe Abhängigkeit der Reisebüros von den Veranstaltern. Wieso das so nicht stimmt, war damals ein großes Thema in unserem fvw-Blog. Und nun folgt der große TV-Skandal. Und der geht in etwa so: Thomas Cook empfiehlt eine FTI-Reise, die Atlas-Büros (Rewe) die Konkurrenz von Alltours. "Reisebüro-Mitarbeiter müssen sich auf einzelne Veranstalter konzentrieren", erklärt ein Experte vor laufenden Kameras.
Woher aber kommen die großen Preisunterschiede in beiden Tests? Allein IT-Platzhirsch Traveltainment hat in diesen Tagen seine 10.000. Bistro-Lizenz ausgestellt. Über dieses Vergleichssystem verfügen Reisebüros über quasi exakt den gleichen Inhalt wie die Online-Portale. Gewiss, in beiden Kanälen darf die Zentrale Leitveranstalter priorisieren. Nicht immer also landet das günstigste Angebot auf dem vordersten Platz. Und mit manchem dynamischen Schnäppchen-Anbieter gibt es keinen Agenturvertrag.
Trotzdem: So es die Tester tatsächlich nur auf den günstigsten Preis abgesehen haben, sollten sie diesen auch in ziemlich jedem Büro und auf ziemlich jedem Portal erhalten, so sie gezielt danach fragen. Dass quasi jeder Mittler andere Preise nennt, ist zwar prima für das Ranking der getesteten Büros, in der Praxis aber doch ungewöhnlich. Der Verdacht liegt nahe, dass hier in der Methodik unsauber gearbeitet wurde, etwa durch unterschiedliche Buchungszeitpunkte. Natürlich sind die Super-Schnäppchen irgendwann ausgebucht, wenn jedes Reisebüro für die Tester vorsorglich eine Options-Buchung macht. Das wäre dann allerdings kein Skandal, sondern guter Service am Kunden.


Was der Test von Computerbild in meinen Augen aber - zumindest für Fachleute - deutlich aufzeigt ist ein Problem mit der Datenqualität von externen Dienstleistern wie Traveltainment. Jedes Onlinebüro im Test hätte nach meinem dafürhalten genauso gute Preise wie ein fähiges Reisebüro vorweisen können, wenn es sich nicht so blind auf Traveltainment verlassen würde! Die feiern heuer den 10.000 Kunden und die Datenqualität und Vielfalt wird von Monat zu Monat zusehends schlechter. Das ist zum Mäusemelken! Gerade jetzt im Januar ist eine vernünftige Abfrage mit der Gewissheit einen guten/besten Preis gefunden zu haben mehr als nur ein Glückspiel. Leider. Ohne z.B. die händische Nachprüfung aller denkbaren RV´s ist´s im Moment fast ausgeschlossen, dass was brauchbares im Preisvergleich rumkommt. Und das im Januar, der Hauptbuchungszeit.
Nur: Über fähige menschliche Mitarbeiter die noch "zu Fuß" etwas für den Kunden heraussuchen können verfügen die wenigsten Onliner. Und da liegt die Krux. Solange sich der Onlinekunde auf die Daten aus der IBE verläßt und bucht, wird er in den allermeisten Fällen eben nicht das günstigste Angebot erhalten haben. Und wenn sich das erstmal rumspricht, dann werden noch bei einigen Onlinern die Lichter ausgehen.
Aber keine Angst liebe Onliner, sowas dauert ( wenn´s denn überhaupt mal passiert ) schließlich lesen nicht alle Computerbild und sind auch so recht träge bei solchen Sachen. ;-)
Zum WiSo-Test müssen wir nichts mehr groß sagen, nach außen gut verpackt aber inhaltlich ebenso unsauber, auch wenn sich die Problematik der Leitveranstalter da deutlich zeigt. Und das die Linnhoff da wieder auftaucht ... ohne Worte!
"Den" besten Kanal zum buchen, "das" beste Reisebüro, oder "das" beste Online-Portal gibt es nicht.
Ich glaube nicht dass der Computer Bild einfach nur ein Fehler unterlaufen ist. Denn gerade der von Jasmin Taylor und mir aufgedeckte Fehler (Vergleich einer Flugpauschalreise mit einem nur-Hotel Produkt) ist zu Prominent dargestellt um dabei Fehler zu machen. Zumal auch die Screenshots nicht die tatsächlichen Webseiten Layouts wiedergeben. Die First-Reisebüro Webseite sieht anders aus und auch einige Elemente der lastminute.com Webseite entsprechen nicht dem Screenshot.
Daher muss man diese Sache stärker bei der Computer Bild hinterfragen.
Auf eine Anfrage bei der Computer Bild per E-Mail habe ich bisher keine Antwort erhalten.
Zu beiden Tests ist zu sagen, dass sie nicht auf alle Reisebüros/Portale zutreffen, deshalb schliesse ich mich dem Kommentar von ,,Kreuzfahrtinspektor" an.
@Sylvie: Das wollen wir doch nicht hoffen, aber bei der Linnhoff scheint nichts unmöglich.
Sie sind tatsächlich der einzige Journalist der die Sache kritisch hinterfragt hat und selber recherchiert hat und nicht gleich veröffentlich (oder sie lesen Ihren Twitter Account ;-).
Tatsache ist....die Botschaft eines falschen Preisvergleiches wurde vorbehaltslos überall gedruckt und verbreitet (...sogar die Welt Compact....ich bin erschüttert)!
Die FVW gehört halt tatsächlich zu den Besten Journalisten....irgendwie wußten wir das immer schon.
Danke dafür und das meine ich ehrlich!
Da gehen eine paar Sensationsjournalisten los, mit versteckter Kamera und testen den "dummen" Reisenverkäufer. Der weder in der Lage ist Preise sauber zu recherchieren noch den "günstigsten" Preis zu ermitteln. Wobei immer wieder Äpfel und Birnen verglichen werden.
Das jetzt neben dem Wiso Test der Stationären auch mal die Onliner "dran" sind, sollte man gelassen zur Kenntnis nehmen. Alle Aufmerksamkeit die man diesen Journalisten widmet schadet nur uns selbst.
Nächste Woche gibt es dann wieder den Test wie man am besten Prozente beim Fernseherkauf herausholt oder ähnlichen Kram.
Dann sind die Reisebürotest´s schon längst wieder vergessen...
Wobei ich als Reisebüroinhaber mir eh auf die Fahne schreibe " Besser als der Online-Vertrieb zu sein" Jahrelange Erfahrung kann man nicht programmieren.
Und was machen wir? Nichts! Wir stellen uns in die Wüste und beklagen die enorme Hitze und das fehlende Wasser! Klasse! Augenscheinlich haben, bis auf wenige Ausnahmen, einige immer noch nicht verstanden, dass der Kunde unser wichtigstes Gut ist. Statt dessen wird ordentlich gejammert über die Testbedingungen, um dann anschließend selbst den Bericht über die Testkäufe bei den Medienmärkte zu lesen, weil man ja schließlich einen preiswerten und guten Flatscrene kaufen möchte.
Wir sollten nicht ständig die Schuld bei den anderen suchen, sondern vielmehr endlich selbst für positive Presse sorgen. Scheinbar versteht das nur die wehrhafte Dame aus der westfälischen Provinz, die darüber hinaus über eine überaus kompetente Auszubildende verfügt, die so manche fertig ausgebildete Fachkraft in den Schatten stellt. Hier wird nicht der Mond angebellt, sondern hart gearbeitet. Das ist kein Teufelszeug, sondern vielmehr gelebtes Qualitätsmanagement in einem freien, kleinen Reisbüro! Meinen aufrichtigen Respekt Frau Linnhoff!
Was könnte diese Frau erreichen, wenn sie - wie von Sylvie leider nur íronisch vorgeschlagen - ihre Kreativität und Kraft als Branchenvertreterin für uns alle einbringen könnte. Sie hat Mut und Ausdauer bewiesen und kann augenscheinlich auch mit der Medien ausgesprochen gut umgehen.
Aber was macht die Branche, sie zeigt hämisch mit dem Finger auf sie und verliert sich in Vorwürfen und platten Neiddiskussionen.
That´s life, too!
Zum Glück gelingt es mir immer wieder, mich zu grounden, indem ich mir vorstelle, dass mindestens ein Vergleichs"test" aus dem Hause BILD kommt.
Die "Richtigstellung" der Computer - Bild Gruppe strotzt geradezu vor Uneinsichtigkeit, Arroganz und Angriffslust.
Vielleicht der beste Rat:
Thema begraben und der Bildzeitung keine weitere Plattform geben, bevor der Streit medial noch weiter verarbeitet wird.
Befremdlich und ungewohnt, aber durchaus auch amüsant finde ich, dass sich der Onlinevertrieb mit solchen Aussagen auseinandersetzen muss:
"Die örtlichen Reisebüros bieten im Schnitt günstigere Reisepreise als jeder Internetanbieter des Tests." (Zitat aus "Richtigstellung" der Computer - Bild Gruppe).
Das Reisebüro ist tot, es lebe das Reisebüro!
Bin gespannt wie es weitergeht,
Wir müssen endlich deutlich machen, dass professionelle Reiseplanung untrennbar mit Vertrauen und Fachkompentenz verbunden ist, die letztlich nur das Büro vor Ort leisten kann. Welcher Dummkopf käme auf die Idee seinen Ersparnisse auf der Grundlage eines verlockenden Angebots aus dem Internet zu investieren. Doch wohl eher niemand, oder?
Warum gelingte es uns nicht den Mehrwert der Beratung vor Ort in das Bewußtsein der Kunden zu rücken?
Die Reisbüros vor Ort brauchen deutlich mehr Publicity. Wir brauchen endlich ein Gesicht und vor allem brauchen wir mehr Einfluss! Wir brauchen unabhängige Vertreter in den einschlägigen Gremien, die sich nicht von Namen und Titel beeindrücken lassen, sondern fundiert und sachlich unsere Interessen vertreten.
Das wird uns allerdings nicht gelingen, wenn wir uns gegenseitig mit Neid und Schuldzuweisungen begegenen und unsere Kunden schlecht beraten. Das ist Wasser auf die Mühlen der Online-Portal und das Gängelband der Veranstalter, die letztlich immer kassieren. Das es auch anderes geht hat die Kofferabwrackprämie und das daraufhin einsetztende Medienecho gezeigt. Manchmal erinnert mich das Reisebüro in Iserlohn an das kleine gallischen Dorf aus den Asterix-Büchern. Widerspenstig, selbstbewußt und letztlich auch erfolgreich!
Glück auf Kollegen!!!
Natürlich – einen aufgeklärten Nutzer der ihn bedient, sich dort informiert und gutes von schlechtem unterscheiden kann, bzw. das passende für sich herauszusuchen. Das gilt für das Reisebüro ebenso wie für den Computer.
"Welcher Dummkopf käme auf die Idee seinen Ersparnisse auf der Grundlage eines verlockenden Angebots aus dem Internet zu investieren."
Zehntausende die das allein bei Kreuzfahrten jedes Jahr tun..
Gibt es denn irgendeinen Unterschied zwischen einem "verlockenden" Angebot das im Internet publiziert, im Reisebüro hängt, oder in Zeitung beworben wird? Keines ist grundsätzlich schlechter, und auch das Internet "macht keine Preise".
"Die Reisbüros vor Ort brauchen deutlich mehr Publicity. Wir brauchen endlich ein Gesicht und vor allem brauchen wir mehr Einfluss! Wir brauchen unabhängige Vertreter in den einschlägigen Gremien, die sich nicht von Namen und Titel beeindrücken lassen, sondern fundiert und sachlich unsere Interessen vertreten."
Ich glaube der Urlauber und Kunde weiß sehr genau welche (Mehr-)Leistung, welchen Preis oder welche Beratung er wo wie bekommt. Kampagnen oder zusätzliche Einflüsse können ihn da auch nicht (um)erklären. Man kann auch noch mit soviel Gesicht und Slogans für Vertrauen in Metzgereien werben, wenn der Kunde das Fleisch (günstig) im Supermarkt liegen hat und sieht, ist das für die Katz. Nochmal: der Urlauber ist doch aufgeklärt genug, und bucht per Telefon, Internet oder Reisebüro und lässt sich bei allen oder Teilen davon beraten.
http://www.iprospect.de/downloads/ropo-multichanne...
vielen dank für eure Infos, macht weiter so .. :-)
Aber gerade in der Beratungsleistung haben es die Büros natürlich schwer. Ich kenne kaum einen Kunden der nicht weit aus mehr Informationen hat hat als der Expi im Shop. Auf der anderen Seiten kann eine beratende Instanz nach wie vor Entscheidend sein. Oder übernimmt das Facebook mit "I like"? Wie man es es dreht. Es ändert sich und wir befinden uns derzeit mitten drin.