Besserwisser im Reisebüro?
Der fvw-Artikel "Die Online-Besserwisser" über bestens vorinformierte Kunden im stationären Reisebüro hat auf Holidaycheck eine eigene Debatte ausgelöst. Die Frage bleibt: Sind Hotelbewertungsportale ein Fluch oder ein Segen für die professionellen Reiseverkäufer?
Für den Bericht in der fvw 26/09 (S. 48) hat meine Kollegin Evelyn Sander mit Expedienten und Verkaufstrainern gesprochen und gibt Tipps, wie sie Kunden beraten, die über Hotelbewertungsportale und Internet-Recherchen schon eine Menge Informationen gesammelt haben. Im Holidaycheck-Blog wird über den Artikel eifrig diskutiert.
"Was mir als Urlauberin an diesem Artikel und vor allem an den Berichten der Expedienten ein wenig unwohl aufstößt", schreibt Holidaycheck-Bloggerin Nadja, "ist die Darstellung, dass ich als Kunde, der sich selbst aktiv informiert, im Reisebüro dann als ,Besserwisser' wahrgenommen werde."
Klar, der Journalismus lebt davon, eine Geschichte zu verpacken und zuzuspitzen, deshalb auch das Wort von den "Besserwissern" Aber die Grundfrage bleibt: Sind die Massen im Web weiser als die Expis?
Schon häufiger haben wir hier im Blog über das Thema Hotelbewertung diskutiert. Natürlich gibt es es auch in den Urlauberportalen Fakes, notorische Nörgler und Fehler, wenn zum Beispiel Baustellen oder Mängel im Hotel längst beseitigt sind. Aber ebenso gewiss ist, dass kein Expedient alle Hotels der Welt kennen kann. Sie müssen vielmehr ein Lotse im Internet sein. Mir geht es wie vielen: Nach stundenlangen Internet-Recherchen bin ich so schlau wie zuvor und weiß erst recht nicht, welches Hotel denn zu mir passen könnte. Da bin ich für eine persönliche Empfehlung dankbar.
Bei einem Kommentar im Holidaycheck-Blog bin ich allerdings zusammengezuckt. Leider sei die fvw "generell seeeeeehr onlinefeindlich eingestellt", schreibt Christoph. Lieber Christoph: Hast Du die fvw und ihre umfangreiche Berichterstattung zu Internet-Portalen, Travel Technology und Social Media schon mal gelesen oder warst schon mal auf dem fvw Kongress oder unserem fvw Online Marketing Day? Wir sind überzeugt, dass gute stationäre Reisebüros eine Zukunft haben. Aber sie müssen sich verändern. Immer wieder stellen wir in der fvw Unternehmer vor, die Off- und Online verbinden, mit unserer Aktion "Go Online!" haben wir versucht, die Web-Kompetenz der Expis zu steigern.
Übrigens startet gerade heute der E-Blog der fvw! Meine Kollegen Dirk Rogl, Georg Jegminat und Arndt Aschenbeck bloggen über die wirklichen oder vermeintlichen Innovationen und Gerüchte im E-Commerce, Travel Technology und Social Media. Schauen Sie mal vorbei.
Und ab nächster Woche präsentiert sich auch unser fvw-Blog hier in einem neuen virtuellen Gewand. Damit wir noch stärker über Reizthemen wie Hotelbewertung debattieren können!



Dabei ist es nur eine Buchungsmaschine mit Callcenter, die vor ein Bewertungssystem gelegt wurde.
Aber im Web hat ja jeder seinen eigenen Hype.
Happy Holidays 2010, ganz ohne Schreck.
Mein Fazit daraus: Ich werde mir weiterhin die Meinung der Masse antun und mich dann im Zweifel nochmals mit einem Spezialisten unterhalten.
Nix-für-ungut ;-)
Zitat Jaron Lanier. Netz-Pionier und Kritiker der Schwarm-Intelligenz im Interview im FAZ.NET. Nachzulesen im Artikel Der digitale Maoismus ist zu Ende http://bit.ly/85UNNL
Die Diskussion hier zeigt doch vor allem eine Entwicklung ganz deutlich: Das Kaufverhalten von Konsumenten hat sich in den letzten Jahren definitiv durch eine neue Kommunikationskultur verändert. Kundenmeinungen und Empfehlungen (ob bspw. für Reisen, DVD Player, Digicams oder iPhone Apps) spielen im Entscheidungsprozess heutzutage keine unwichtige Rolle mehr. Kunden informieren sich auf verschiedenen Kanälen über Produkte und ziehen dabei auch die Meinungen anderer Kunden zu Rate. Dass jeder Mensch eigene Erwartungen, Geschmäcker und Vorstellungen hat, ist selbstverständlich. Im Informationsprozess suchen Kunden nach Bestätigung ihrer Erwartungen und Wünsche. Ein grosser Pool an Informationen und Meinungen, die ja genauso diversifiziert sind, schaffen für den Kunden eine Basis, das zu ihm passende Produkt zu finden. Letztlich dient jeder Rechercheprozess dem Schaffen von Sicherheit für die eigene Entscheidung, denn Konsumenten wollen ihre kostbare Zeit und ihr Geld erwartungsgerecht investieren.
Ich persönlich schätze die Meinungen anderer Kunden beim eigenen Konsumverhalten sehr. Dabei zählt für mich vor allem, wer etwas geschrieben hat und wie relevant diese Meinung/Einschätzung für meine eigene Erwartung an das Produkt ist.
Nach diesen Kriterien haben wir beispielsweise unser „Airlinebarometer“ entwickelt bei dem Reisende die erlebte Qualität von Fluglinien auf der Strecke nach Australien bewerten können. Diese Form der journalistischen Aufbereitung von Einzelmeinungen hat sich seit 2001 bewährt als echte Orientierungshilfe. So kann jemand eine hochgelobte Airline ausnahmsweise als chaotisch erlebt haben. Ein Reisender mit knapper studentischer Kasse der lediglich nach dem billigsten Flug sucht, wird andere Prioritäten haben als ein 205cm langer Economy Class Passagier, der mit 35 voll im Berufsleben steht und gerade mal 2 1/2 Wochen Australien-Urlaub machen kann.
Fazit: Was die Masse gut findet, kann für den Einzelnen völlig falsch sein. Die Fähigkeit dies zu erkennen, Informationen und deren Quelle zu bewerten ist eine Fähigkeit von Reiseberatern mit Zukunft. So mögen in den Reisebüros nicht die Besserwisser aber die „Besser-Berater“ sitzen die beim Sammeln und Bewerten von Informationen auch deren Entstehungsgeschichte und ihren Entstehungszeitpunkt mit berücksichtigen.
Was es dafür braucht? Medien- und Kommunikationskompetenz. Und um diese zu erlangen da hilft dieser Blog schon viel weiter.
Zitat: "...Mit Bewertungsportalen werden inzwischen Milliardenumsätze gesteuert – und wenn es um viel Geld geht, werden auch die Methoden ruppig. Bei Hotelbuchungen konsultieren laut mehreren Studien mindestens drei Viertel der Konsumenten Bewertungsportale wie Holidaycheck, Trivago, Tripadvisor und Hotelkritiken.de. ..."