Linke Tasche, rechte Tasche
TUI Travel sendet Geld nach Hannover und meldet miese Zahlen für den Winter – trotzdem ist die Börse zufrieden. Verkehrte Welt?
Als ich Peter Long neulich auf dem fvw Kongress zur Börsenplatzierung von Thomas Cook fragte, war der voller Lob: Das sei ein Zeichen, dass die Touristik am Kapitalmarkt wohl gelitten sei. Später raunte mir ein TUI-Insider zu: Kein Wunder, dass Long sich über die Cookies freue, schließlich wolle er selbst auch bald den Kapitalmarkt anzapfen, um der Mutter TUI auszuhelfen.
Heute war es dann soweit. Mit einer Wandelanleihe und einer Kreditlinie zahlt TUI Travel ein Darlehen an die TUI AG früher zurück. Dazu kamen drei weitere, eigentlich gar nicht so dolle Nachrichten: Die Buchungen für den Winter liegen unter Vorjahr, es werden weniger Dreamliner als geplant bestellt und das seit langem defizitäre Veranstaltergeschäft in Kanada der Marke Signature wird notgedrungen mit dem des Aufsteigers Sunwing zusammengelegt, TUI ist nur noch Juniorpartner.
Und wie reagiert die Börse? Die Aktie von TUI Travel ist bis zum Nachmittag in London fast konstant, bei der TUI AG steigt der Kurs um gut sechs Prozent. Geld aus London, dazu noch eine Staatsbürgschaft für Kredite der von der Schifffahrtskrise gebeutelten Reederei Hapag-Lloyd – schon ist die Welt der deutschen Börsianer wieder in Ordnung.
Ach, wenn es doch immer so einfach im Geschäftsleben wäre, schlechte Nachrichten einfach mal so durch ein Verschieben interner Zahlungen von der einen in die andere Tasche locker wegzustecken.



Ausnahmsweise bin ich mir hier aber ziemlich sicher, dass Justizia der TUI hier ( zumindestens für den Bereich der "klassischen" Pauschalreise jenseits des Dynamic Packaging ) alsbald den Riegel vorschiebt. Und das zurecht!