Geheimnisvolles mit Hintergrund

Das Thema ist eigentlich noch streng geheim. Oder eben doch nicht. Auf jeden Fall ist es bereits ein voller Erfolg. Oder eben doch nicht.

Es hängt mit Neugier zusammen, dass Sie, hochverehrte Leser, diesen Blog trotz - unter dem Strich - absoluter Nachrichtenarmut in Vorspann und Überschrift angeklickt haben. Und Neugier ist wiederum der beste Antrieb für die schnelle Kommunikation der Menschen untereinander.

Für Marketingexperten ist es die Königsdisziplin, dass sich Neugierige ausgerechnet eine schmucke Werbebotschaft in Windeseile zuwerfen und so verbreiten. Im Zeitalter des Web2.0 nennt sich das dann virales Marketing.

Ein wunderschönes Beispiel dafür geistert seit etwa 16 Stunden über den Micro-Blogging-Dienst Twitter. Zu dieser Zeit twitterte der bekannte Online-Marketing-Experte Stefan Niemeyer, dass der Wellness-Anbieter Beauty24 eine Wellness-Botschafterin sucht.

Die frohe Kunde wurde inzwischen zigfach über Twitter weitergetragen. Inzwischen tauchte bei Twitter auch die von Beauty24 eingeführte Userin "Botschafterin" auf und in der Community Facebook eine eigene Fan-Site.

Das spannende daran: Beauty24 liegen bereits die ersten fünf Bewerbungen vor, obwohl die offizielle Pressemitteilung wohl erst heute nachmittag die Redaktionen dieser Welt erreicht. Bislang weiß tatsächlich wohl niemand in der schreibenden Zunft (außer natürlich der stets gut informierten fvw), dass Beauty24 ihre Botschafterin von September an in sechs ausgewählte Wellness-Hotels schicken will.

Beauty24-Gründer Roland Fricke ist begeistert über das frühe Feedback. Zur Qualität der Bewerbungen sagt Fricke allerdings nichts. Auf der Fanpage von Facebook fallen sechs der bislang acht Fans durch das Anforderungsprofil. Sie sind männlich und mit aboluter Mehrheit bekannte Web2.0-Experten mit vermutlich eher geringer Wellness-Affinität.

Doch auch für die Herrschaften könnte es Verwendung geben, etwa als Botschafter der Ostfriesichen Inseln. Von einem Vortrag über die ach so authentischen Insel-Testimonials auf unserem fvw Online Marketing Day hierzu habe er sich durchaus inspierieren lassen, gibt Fricke zu. Wieso auch nicht? Im viralen Marketing ist erlaubt, was Achtung verschafft und keinen Schaden verursacht.

Ob die Qualität der Bewerberinnen besser wird, wenn die Pressemitteilung erst in der Welt ist?

KOMMENTARE
Ich würde gerne mal den Bademantel sehen. Ist der schöner als der von Udo Jürgens? Und gibts auch ein Botschafter-Beautycase (vielleicht mal bei Douglas anfragen wegen eines Sponserings)?.

Ich freu mich jedenfalls schon auf die Vorher nachher-Fotos. Und by the way: Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich schon vor 15 Jahren einmal einen Männer-Kosmetik-Selbstversuch gestartet habe - mit eingebauter Farb- udn Stilberatung. Um dann für die Nordwest Zeitung Oldenburg drüber zu schreiben. Überschrift war übrigens: "Falsche Farben machen Puschelbacken" (Zitat der Kosmetikerin). Ach schade, dass sich keine Männer bewerben dürfen...
von Arndt Aschenbeck, 01.07.09, 12:57
und es hat so gut funktioniert das sogar die FVW im Blog darüber schreibt....ja so funktioniert virales Marketing ;-)

gruß
Buller
von michael Buller, 03.07.09, 12:13
viel interessanter ist der Effekt, dass altbekannte Umstände, sobald sie sich im Virtzuellen niederschlagen, neue Synonyme heranzüchten. Zu "Twittern" hätte man früher "hysterisches Kommunizieren" oder "zwanghafte Mitteilsamkeit" genannt. Für menschen, die an eingeschränkter Emotionskontrolle leiden sicherlich ein Weg, aller Welt mitzuteilen, was sie meinen, mitteilen zu müssen. So ein digitaler Neusprech, derartige anglizistischen Idiome haben in der Tat von Hause aus schon was virales. Da fällt mir ein, ich wollte mir doch sicherheitshalber eine Packung Tamiflu besorgen.
von Wolfgang Hoffmann, 09.07.09, 15:37
Lieber Herr Hoffmann, Tamiflu, ich entsinne mich an ganz alte Blogs ;-) Aber bitte dran denken: Die gibt es nur gegen Rezept. Und wenn Sie Doktor Rogl konsultieren, so würde der Ihnen dabei gleich ein hohes Twitter-Potenzial diagnostizieren.
Unter den "Followern" von @fvwde finden Sie übrigens mindestens eine Handvoll Personen, von denen allein ich weiß, dass Sie zu Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis gehören. Und so gut kenn ich Sie nun auch wieder nicht...
von Dirk Rogl, 09.07.09, 15:49
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