Frontalangriff auf den Malus
"Der TUI-Malus gehört in die Mülltonne", schimpfte DRV-Präsident Klaus Laepple. Noch nie zuvor musste TUI so viel Prügel gegen seinen Malus einstecken, wie auf der heutigen RTK-Tagung.
Ein gutes Jahr lang ist DRV-Präsident Klaus Laepple noch im Amt. Doch mit der satzungsmäßig gebotenen Zurückhaltung des obersten Verbandsmannes ist es offenbar vorbei. "Der Marktführer hat noch immer nicht verstanden, dass der Malus in die Mülltonne gehört," polterte Laepple in Dresden.
Und unter tosendem Applaus der RTK-Mitglieder legte Laepple gleich nach: "Welches Misstrauen muss ein Veranstalter haben, wenn er die Reisebüros derartig an die Knute legt." Nicht etwa der Streit der RTK mit Alltours-Chef Willi Verhuven oder der eilig geschossene Burgfrieden mit Thomas Cook prägte die heutige RTK-Tagung, sondern ein geradewegs kollektives TUI-Bashing.
Ja, er habe einmal pro Malus geredet, sagte etwa Ex-TUI-Vorstand Karl Born später auf der Bühne. Allerdings müsse man sich nun fragen, ob dieser noch zeitgemäß sei. Also Feuer frei. "Es ist Zeit, das Thema massiv anzugehen", betonte RTK-Chef Thomas Bösl. Und Reisebüro-Inhaberin Magdalena Hieke, seit jeher bekennende Dauerkämpferin gegen den Malus, bemühte zwischendurch das Wort "menschenverachtend". Bitte? Okay, das nehme sie wieder zurück, sagte sie auf Rückfrage von Moderator Born.
Der Frust der Agenten kommt nicht von ungefähr. Das neue Reservierungssystem NPM hat offenbar auch drei Monate nach seinem Launch Schwachstellen (siehe kommende fvw 21/09). Und das kostet offenbar Buchungen. Auch unabhängig von den NPM-Pannen klagen immer mehr Reisebüros darüber, dass der Marktführer Dank sparsamer Kontingentplanung in vielen Relationen überhaupt nicht mehr buchbar sei.
"Ich nehme mit, dass das Thema Partnerschaft enger gelebt werden muss", sagte Kirsten Feld-Türkis, Fernreisechefin der TUI in Dresden. In Vertretung von Vertriebschef Hasso von Düring nahm die Produktverantwortiche die Kritik des Vertriebs an und übte sich in charmanter Demut. Von Düring weilte im Urlaub. Und das ist aus Sicht des Vertriebs vielleicht ganz gut.
Sie sei ganz froh, dass sie dies einmal selbst erleben durfte, sagte Feld-Türkis. Das klingt ein wenig gekünstelt, war aber sichtlich ernst gemeint. Hinter den Kulissen werden die TUI-Vorderen genau nachfragen, weshalb sich ausgerechnet der DRV-Präsident zu derart starken Aussagen hat verleiten lassen. Aber es dürften auch andere Dinge auf die Tagesordnung kommen.
Zwei Dinge sind bereits klar: Im Vertrieb ist das Standing des DRV-Präsidenten heute massiv gestiegen. Und in den Geschäftsführermeetings von TUI Deutschland hat Hasso von Düring vermutlich eine neue Verbündete gefunden, wenn er in Hannover wieder für die Interessen seiner Reisebüro-Partner eintritt. Wetten, dass das Thema Malus TUI-intern zeitnah auf die Tagesordnung kommt?
Update 6. 10.: TUI weist völlig zurecht darauf hin, dass Kirsten Feld-Türkis nicht etwa Fernreiseschefin sondern Geschäftsbereichsleiterin Luxury ist.


Buchstaben bestelle ich nur noch online, den "e"-commerce stärken...
Wie auch immer: Der Vorstoss ist - wenn auch Jahre zu spät - mehr als berechtigt.
Dabei ist der Malus sicher nur die Spitze des Problem-Eisberges der TUI. Allein das neue Reservierungssystem hat nicht bloß "Schwächen", es ist seit Monaten (!) schlichtweg unbuchbar! Verbunden mit einer katastrophalen Erreichbarkeit von völlig überforderten und überarbeiteten Call-Center-Agents gehen der TUI seit Wochen reichlich Umsatz-Millionen durch die Lappen. Und das schmerzt die TUI.
Wenn sich ein fvw-Redakteur dieser Tage auch nur einen einzigen Arbeitstag in ein mittelgroßes Reisebüro, welches aktiv TUI Reisen verkaufen will (!), setzen würde ... das langt locker für ein halbes Dutzend Heftseiten mit lustigen Geschichten, herzhaften Lachern, unfassbarem Staunen und ungläubigem Kopfschütteln über soviel Probleme und Unfähigkeit zur Beseitigung derselben bei der TUI. Und dann will man "prüfen" und "auf die Tagesordnung setzen" ob und wie es mit dem Malus weitergeht. Also nein, das ist schlichtweg frech! Man hat ein nicht funktionierendes Produktverkaufssystem und reduziert zudem laufend die Buchbarkeit, um wenigstens über den Malus ein wenig Ertrag zu erreichen. Das ist nicht nur nicht zeitgemäß, das ist ein Skandal!
Aber wie ich das von meiner bescheidenen Warte aus verfolgen kann, hat der Vertrieb zu weiten Teilen in diesem Jahr bereits erste Konsequenzen gezogen und die TUI im Verkauf in den letzten Wochen und Monaten ordentlich abgestraft. Soll die TUI ruhig weiter mit dem Malus vor sich hinwurschteln, sie bastelt sich langsam aber sicher den Abwärtspfad vom Marktführer-Dasein zum "normalen" Veranstalter. Schon in diesem Jahr blickt sie doch ungläubig auf die Buchungs- und Marktanteilzuwächse der Mitspieler aus der TOP 10 der Reiseveranstalter. ( Mir deucht, dass keiner der im Plus liegenden Veranstalter einen Malus hat, oder? ) Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass dieser Trend sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken wird.
Dabei könnte der Anfang vom Ende der Probleme der TUI so einfach sein ... kleiner Tipp: Das Lösungswort beginnt mit "M".
http://www.dq2.de/html/tui-malus.html