Auf den Menschen kommt es an
Kundenbindung via CRM, Abrechnung via Midoffice, Buchung per Frontoffice-Tool, Reiseauskunft via Preisvergleichssystem – kommt der Mensch im Reisebüro zu kurz?
Vor lauter Technikbegeisterung und Prozessoptimierung haben die Reisebüros den Menschen am Counter aus dem Blick verloren. Das sagte gestern abend bei einem Vortrag des Travel Industry Clubs in Hamburg ausgerechnet ein ausgewiesener Travel-Tecki wie Gunther Holzschuh, lange bei Galileo, heute Chef der Otto Freizeit & Touristik.
Technik sei wichtig für die Verkaufsunterstützung und Reiseland profitiere etwa vom eigenen Cris-System, so Holzschuh. Aber die Schlacht mit dem Internet könne nur mit dem Menschen geschlagen werden.
Doch in der Diskussion wurde deutlich: Wo sollen eigentlich all die Verkaufskanonen herkommen, die den Kunden wunderbar nach all den Regeln der Kunst beraten, alle Produkte und Destinationen aus dem Eff-eff kennen und auch noch leichtfüßig mit allen GDS und Reisebüro-System umgehen können? Schon jetzt fehlen angesichts der Mini-Gehälter Fachkräfte und Azubis.
Prof. Christian Buer von der Hochschule Heilbronn setzte noch einen drauf: Es drohe sogar ein "Brain-Drain", weil Akademiker und Fachkräfte zunehmend von anderen Branchen abgezogen würden und viele Absolventen seiner Tourismusfakultät schon jetzt besser bezahlte Industrie-Jobs annähmen. Da muss die Touristik dann schon einen sehr hohen Spaßfaktor bieten.


Es wird auch nicht auf neue Technologien gesetzt, sondern an alten Zöpfen festgehalten. Lieber werden Mitarbeiter abgebaut, statt sich den neuen Herausforderungen zu stellen und die Mitarbeiter fit für die Zukunft zu machen. Kein Wunder klagt die Branche über einen schlechten Ruf.
Die Änderung ist längst da und sie beschleunigt sich. Ich kann den Blick auf http://www.youtube.com/watch?v=FqfunyCeU5g empfehlen (6 Minuten).
Auch wenn ich einiges über Selbstbedienung verkaufen kann. Die Luxusreise wird noch immer primär im Reisebüro verkauft. Und viele Studien belegen, dass kaufwillige Kunden oft nicht in der Lage sind, auf heutigen Seiten Ihre Buchung auch zum Abschluss zu bringen.
Was wird online verkauft? Prozente, billiger, Ramsch. Auch ich habe heue einen Flug für 0 Euro plus Steuern gebucht... Ohne schlechtes Gewissen, wenn die Airline meint, dass es bei dem Preis die Masse macht...?
Sicher nur einige Gründe, nachzudenken und vielleicht auch mal den Status Quo in Frage zu stellen...
Als vor knapp 20 jahren - ich glaube, von Daniel Düsentrieb in Entenhausen - das Internet gebastelt worden ist, da wollte man doch damit nicht den Menschen abschaffen, iwo, man wollte ihm doch nur das subjektive Bewusstsein vermitteln, er sei Gott.
Und verdammt-nochmal-an, das ist richtig gut gelungen.
Ich finde es jedenfalls gut, dass der "alte Herr" zu uns ins RB kommt, weil er nicht für etwas, was er irgendwann in Zukunft dann einmal in Anspruch nehmen wird und wofür er sich höchstens einen Zettel ausdrucken kann, seine sensibelsten Kontodaten in eine Tastatur tippen will.